Grist wird Teil der Suite Numérique
Frankreichs souveräne Produktivitätssuite — die Suite Numérique, früher bekannt als LaSuite — hat eine weitere Komponente erhalten: Grist, ein Open-Source-Tool, das die Zugänglichkeit einer Tabellenkalkulation mit der Struktur einer relationalen Datenbank und einem No-Code-App-Builder kombiniert.
Die Integration wurde vom Open Source Observatory der EU im Januar 2026 berichtet. Grist ist allerdings kein Neuling in der französischen Verwaltungs-IT: Das Tool läuft bereits seit drei Jahren innerhalb der Suite Numérique und über die nationale Behörde ANCT.
Die Zahlen
Im Januar 2026 erreichte Grist 20.000 monatlich aktive Nutzer in der französischen öffentlichen Verwaltung — zehnmal mehr als im Januar 2025. Es wird von 15 Ministerien, allen 100 Präfekturen und Großstädten wie Lyon und Straßburg genutzt. Anwendungsfälle reichen von Budget-Dashboards für Multi-Millionen-Euro-Portfolios über Quartiersmonitoring bis hin zum Projektmanagement.
Die französische Regierung ist derzeit der größte Beitragende zum Grist-Projekt neben dem ursprünglichen Entwickler. DINUM und ANCT bieten Schulungen über Webinare, Workshops, einen Peertube-Kanal und dedizierte Foren an — alles öffentlich zugänglich.
Warum das wichtig ist
Grist füllt eine Lücke, die Open-Source-Office-Suites lange geplagt hat: den Anwendungsfall Tabellenkalkulation-als-Datenbank. In den meisten Organisationen leben komplexe Workflows nicht in richtigen Datenbanken, sondern in geteilten Excel-Dateien — mit allen Problemen bei Versionskontrolle, Datenintegrität und Single-Point-of-Failure-Risiken. Grist adressiert das durch kollaboratives, strukturiertes Datenmanagement mit einer tabellenkalkulationsähnlichen Oberfläche.
Für die Suite Numérique bedeutet Grist einen Grund weniger, zu einer Microsoft-365- oder Google-Workspace-Lizenz zu greifen. Jede neue Komponente, die gut genug funktioniert, um ein proprietäres Tool zu ersetzen, macht den gesamten souveränen Stack tragfähiger.
Bemerkenswert ist auch das Modell: Der französische Staat nutzt Grist nicht nur — er trägt zum Kerncode bei, investiert in Schulungsinfrastruktur und veröffentlicht alle Materialien unter offenen Lizenzen. Das ist Public Money, Public Code in der Praxis.